Predigt zu Jesaja 1,10.16-20 - kfd-Messe am 3.3.26, Belm-Icker
„Lernt, Gutes zu tun!“, dieser Satz aus dem Buch Jesaja des Alten Testaments (Jes 1.17) ist zentraler Punkt einer Predigt, die Eleonore Reuter am 3. März 2026 während der monatlichen kfd-Werktagsmesse der kfd Icker gehalten hat.
Lesen Sie hier den vollständigen Text der Predigt:
Predigt zu Jesaja 1,10.16-20
Die Lesung mit der Predigt des Propheten Jesaja ist harter Tobak: „Ihr Leute von Sodom und Gomorrah!“ So spricht der Prophet die Gläubigen im Auftrag Gottes an. Wie haben Sie eben auf diese Anrede reagiert?
Haben Sie sich angesprochen gefühlt?
Ich denke doch gar nicht daran! So lasse ich mich nicht anreden! Sodom und Gomorra steht für sprichwörtlich böse Menschen. Das bin ich nicht und Sie vermutlich auch nicht. Mit Leuten von Sodom und Gomorra identifizieren wir uns nicht.
Nach dieser Anrede geht es nicht besser weiter: Tut, macht, lasst usw. Lauter Appelle, ziemlich moralinhaltig. Also Ohren zu und durch.
Oder doch nicht? Gibt es etwas, das aufhorchen lässt?
Ich bin an dem Satz „Lernt Gutes zu tun.“ hängengeblieben. Nicht: „Tut Gutes!", sondern „Lernt Gutes zu tun.“ Zuerst der Protest: Lernen? Ich bin doch kein Kind. Warum soll ich das lernen? Weiß ich denn nicht, wie man Gutes tut?
Genau das ist der Punkt, an dem ich stutzig werde: Nein. Ich weiß es nicht. Schauen wir auf den Krieg, der gerade im Nahen Osten tobt. Oberflächlich meinen ziemlich viele, zu wissen, wer der Gute und wer der Böse ist. Aber spätestens beim dritten Blick verschwimmen die Grenzen, sind plötzlich auf beiden Seiten Gute und Böse.
Der Versuch der Menschen im Garten, zwischen Gut und Böse unterscheiden zu können, ist gescheitert. Sie haben ihre Nacktheit, ihre Verletzlichkeit, ihre Erbärmlichkeit erkannt. Um die Erkenntnis von Gut und Böse müssen wir uns immer wieder neu mühen. Lernen bedeutet, es gibt Veränderungsmöglichkeiten, Wachstumspotential, die Erlaubnis, Fehler zu machen. Lernen bedeutet, nicht schon alles können zu müssen.
Die Predigt des Jesaja gibt noch eine Lernhilfe:
Gutes zu tun heißt konkret: das Recht suchen, gegen Unterdrücker einschreiten, den Waisen Recht verschaffen und für die Witwen streiten. Das ist eine hochpolitische Konkretisierung. Sie fordert von den Gläubigen, (also von uns) darauf zu achten, dass die Rechte der Verletzlichen in unserer Gesellschaft nicht eingeschränkt werden. Bitte übersetzen Sie selbst, was das bedeutet bei Themen wie Bürgergeld, Asylrecht oder Völkerrecht. Machen Sie das zu einem Kriterium bei den nächsten Wahlen. Jesaja fordert, gegen Unterdrücker einzuschreiten. Nicht erst, wenn es zu spät ist, zu sagen, das konnten wir nicht wissen. Nie wieder ist jetzt. Sie meinen: Das ist eine Überforderung. Das geht nicht.
Geht doch, sagt Gott. Das Gotteswort, das Jesaja verkündet lautet: „Sind eure Sünden wie Scharlach, weiß wie Schnee werden sie. Sind sie rot wie Purpur, wie Wolle werden sie.“ Es geht doch, nicht durch unsere Anstrengung, sondern durch Gottes Wirken. Wer hört, so das Versprechen der Lesung, wird das Leben genießen.
Text: Eleonore Reuter
Fotos: pixabay
Prof.in Dr. Eleonore Reuter war bis zu ihrem Eintritt in den Ruhestand 2022 Professorin an der Katholischen Hochschule Mainz. Nach dem Studium der Theologie an der Rheinischen Friedrichs-Wilhelms Universität Bonn promovierte sie 1992 und war von 2008 Professorin an der Katholischen Hochschule in Mainz. Seit 1997 / 98 wohnt und lebt sie in Icker.
Weitere Beiträge von Gemeindemitgliedern und Anderen, auch von Eleonore Reuter, finden Sie auch auf dieser Homepage, auf der Seite Digitale Gemeinde unter der Rubrik „Blickwinkel – Beiträge von Gemeindemitgliedern und Anderen“.
Ein Video der aufgezeichneten kfd-Messe finden Sie auch auf dem YouTube Kanal „Katholische Kirchengemeinde Icker“ unter dem Link: