Die Orgel

Nachdem bereits 1932 eine gebrauchte Orgel gekauft worden war und die Pfeifen wegen des schlechten Materials sowie die mangelhafte technische Ausstattung der kurz nach der Währungsreform (1948) erworbenen Orgel nicht mehr für eine neue Orgel zu verwenden waren, wurde das jetzige Instrument im Jahre 1980 angeschafft.
Die feierliche Orgelweihe fand am 13. April 1980 statt.
Disposition der Orgel: Domkapitular Msgr. Dr. Heinrich Rahe, Osnabrück.
Entwurf und Ausführung: Orgelbauwerkstätten Matthias Kreienbrink, Osnabrück.
Schnitzarbeiten und farbliche Fassung: Bildhauer Ferdinand Starmann, Neuenkirchen i.O.
Im Jahre 1995 wurde im Rahmen der Renovierung der Kirche das gesamte Pfeifenwerk vom Erbauer ausgebaut, gereinigt und nachintoniert; alle Orgelteile gesäubert sowie die Prinzipalregister umintoniert.
Die Orgel und ihr Klangkonzept:
Am Spieltisch laufen mithilfe neuster elektrotechnischer Mittel alle „Fäden“ zusammen.
Vom Spieltisch aus kann der Organist jedes der 13 Register und jede einzelne der 1012 Pfeifen zum Erklingen bringen (Pfeifen aus Holz und Metall).
Die Metallpfeifen bilden den überwiegenden Teil der Pfeifen. Die größte von ihnen hat eine Länge vom 2,73 m (mit Fuß) und einen Durchmesser von 143 mm. Es ist das Subcontra-C des Prinzipal 8´. Die kleinste Pfeife hat eine Länge von 13 mm (ohne Fuß) und einen Durchmesser von 4 mm.
Ein kleiner Teil der Pfeifen ist aus Holz gefertigt. Diese haben einen anderen Teiltonaufbau, klingen weicher, grundtöniger und finden in der Orgel nur für Bassregister Verwendung. Es sind genau 60 Pfeifen.


Zur Renovierung der Orgel im Jahr 2018 berichtet Prof. Michael Schmoll Folgendes:

Ein schönes Gefühl war es, als ich die Orgel nach der Renovierung durch Orgelbaumeister Stefan Peters Mitte Dezember 2018 erstmals wieder spielte und viele Gemeindemitglieder sagten mir bisher: „Was klingt unsere Orgel wieder toll“. Es war eine gute und richtige Entscheidung der Gemeinde, das Instrument, das auch „Königin der Instrumente“ genannt wird, einer gründlichen Reinigung und Behebung kleinerer und größerer Mängel zu unterziehen. Unser 1982 erbautes Instrument hat 13 „Register“, davon 11 Register für die beiden Manuale und 2 Register für das Pedal. Ein „Register“ ist eine Pfeifenreihe, die im Manual aus 61 Pfeifen besteht, im Pedal aus 32 Pfeifen.

Dazu gibt es besondere Register, die auch gleich mehrere Pfeifen je EInzelton aufweisen, das sind insbesondere die hellen, strahlenden Töne der Mixtur. Über 700 Pfeifen wurden einzeln herausgenommen, gereinigt und in ihrer Tonqualität behandelt. Die Reinigung der Pfeifen erfolgt mit Pinseln und feuchten Tüchern. Dazu wird der ordentliche „Sitz“ jeder Pfeife überprüft und verbessert und natürlich die ganze Orgel von innen gereinigt.

Die Luft, die in er Orgel zirkuliert heißt „Wind“. Dieser Wind wird durch einen Blasbalg und weitere Bälge in die Orgel gebracht und bevorratet, hier muss zum Dichten Leder eingesetzt werden.
Damit ein Ton aus der Pfeife herauskommen kann, muss unterhalb der Pfeife ein Ventil öffnen – alle Ventile wurden gereinigt, Federn wurden erneuert usw.

Bei historischen Orgeln mussten die Register mit „Zügen“ bedient werden, bei der Icker Orgel machen das Motoren – die aber sind empfindlich und mussten teilweise erneuert werden.
Das auch in der Kirche laut zu hörende „Gebläse“ wurde abgedichtet – jetzt ist es auch auf dem Orgelboden viel ruhiger, wenn die Orgel angeschaltet ist.

Die Spielmechanik – dazu zählen die Tasten und die Verbindungen zu den Pfeifenventilen – wurde neu reguliert, damit klappern die Tasten nicht mehr. Und zu guter Letzt wird die Orgel gestimmt und intoniert – das heißt, sie wird nochmal genau auf den Raum abgestimmt. Gerade dieses Intonieren ist eine komplizierte Angelegenheit – und sie ist Stefan Peters hervorragend gelungen.

Der Orgelbau ist besonders in Deutschland eine Einmaligkeit – hier kommen viele handwerkliche Künste zusammen. Nicht umsonst wurde der Orgelbau 2017 zum Weltkulturerbe erklärt. Schön, dass wir in Icker eine kleine, aber feine Orgel haben, auf der es Freude macht, zu musizieren. Und gut, dass das Verständnis dafür vorhanden ist, solch einen Schatz zu hüten und zu erhalten.

Michael Schmoll

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