Der Hochaltar

Der Hochaltar ist ein Kleinod von hohem Rang. Er erhebt sich zweigeschossig über einem Sockel. Die Predella mit geschnitzter Maßwerkornamentik ist mit eingestellten Engelsfiguren, die die Wundmale Christi tragen, und einer ebenfalls eingestellten Pieta versehen. Darauf aufbauend erscheinen die spätgotischen Schnitzreliefs mit einer Kalvarienberg – Darstellung als Mittelteil und zwei seitlichen Reliefs mit Passionsszenen. Bild anzeigen Bild anzeigenDie Schnitzreliefs werden umrahmt von zwei Säulen mit ionischen Kapitellen, seitlichen Schleierbrettern sowie zwei kleinen flankierenden Skulpturen in der Darstellung eines Engels mit Wundmal und der Veronika mit Schweißtuch. Den oberen Abschluss bildet eine geschnitzte Bekrönung mit Jesus-, Maria-, und Joseph-Monogrammen und folgender Inschrift:
ALTARE HOC OMNIPOTENTIS DEI FILIIN CARNE PASSI GLORIAM MAXIMAM NEC NON EJUSDEM MATRIS DOLOROSAE HONOREM JOHANNES EDUARDUS SCHUTZE PASTOR IN BELM RENOVATUM 1840 DE NUO COLORATUM 1953
Die freie Übersetzung dieser Inschrift lautet:
Dieser Altar zur größten Ehre des allmächtigen zu Fleisch gewordenen Sohn Gottes und auch dessen schmerzreicher Mutter zu Ehren
Johannes Eduard Schutze Pastor in Belm Renovierung 1840 Neubemalung 1953 Der Hochaltar vereinigt in sich Stilelemente von der Spätgotik bis zum Barock wie aus der folgenden Chronik zu entnehmen ist: Predella: um 1400 Pieta: 15. Jhd. Passionsreliefs: um 1525 Engel mit Wundmale, Veronika mit Schweißtuch, Bekrönung: 17. Jhd Herzstück des Hochaltares bildet die Darstellung der schmerzhaften Mutter mit ihrem toten Sohn auf dem Schoß. Der Mittelteil der Predella ist für die Aufnahme der Pieta im 17. Jahrhundert verändert worden. Das geschnitzte Maßwerk und die Vier- bzw. Sechspässe wurden teilweise entfernt. Die Ansätze dieser Altararchitektur sind noch zu erkennen. Eingefügt wurde der geschnitzte Schleier oberhalb der Pieta. Gedächtnis der Schmerzen Marias: 15. September (Patronatsfest). Die Pieta von Icker macht wie ein Wallfahrtsbild der Kirche “Schmerzhafte Mutter“ alle Ehre. Die Eichenholzschnitzerei von unglaublicher Feinheit mit großer Ausdruckskraft ist die Darstellung des Leidens, des Sterbens und der Auferstehung unseres Herrn Jesus Christus. Diese Passionsdarstellung datiert aus dem Anfang des 16. Jahrhunderts. In dieser Zeit lebte der “Osnabrücker Meister“, der Schöpfer hervorragender christlicher Kunstwerke. Hinweise über die Entstehung des Passionsaltares geben vor allem die Trachtenmotive und die rein architektonischen Elemente. So sind auf dem Kalvarienberg spitze gotische Kirchtürme, Giebeldächer und Stadtmauern mit Wehrgang und mit Erkern zu erkennen. Der Garten Gethsemanie ist mit Palisaden eingezäunt. Die Frauen tragen Mieder und gepuffte Ärmel. Die Kleidung der Bürger und der Soldaten, die Mützen, das Schuhzeug, die Waffen und die Pferdegeschirre geben Möglichkeiten zur Einordnung der geschichtlichen Daten. Aus diesen Merkmalen schließt man, dass die “Icker Passion“ aus der Werkstatt des Osnabrücker Meisters stammt. Die drei Tafeln, das linke Seitenstück mit den drei Szenen der Gefangennahme, der Geißelung und der Kreuztragung, das Mittelstück mit dem Kalvarienberg sowie das rechte Seitenstück mit den drei Szenen der Kreuzabnahme, der Grablegung und der Auferstehung sind nur ein Teil des ursprünglichen Altares. Predella, Flügel und der übrige Aufbau sind nicht mehr vorhanden. In seinem heutigen Erscheinungsbild ist der Gesamtaltar sehr wahrscheinlich aus verschiedenen Elementen zusammengesetzt worden. Diese zeitliche Einordnung ergibt sich aus dem Baujahr 1674 der barocken Kapelle, in der bis zum Neubau der jetzigen Kirche dieser Altar stand. In einem Protokoll des Kirchenvorstandes aus dem Jahre 1923 heißt es “Da die ganze Gemeinde am Altarbild der Passion hing, konnte der Kirchenvorstand nicht die Zustimmung geben, dass der Altar auch nur leihweise an das Diözesanmuseum abgegeben wurde.“ Für die Aufstellung des Altares in der neuen Kirche fertigte der Osnabrücker Bildhauer Nolde den Entwurf. In den Jahren 1840 und 1953 wurde der Altar restauriert. Durch eine restauratorische Befundaufnahme im Jahre 1992 wurden erhebliche Fassungsschäden mit Substanzverlust, fehlende Schnitzteile, starke Verschmutzungen und eine Abblätterung der Malschichten festgestellt. Deshalb wurde im Jahre 1996 eine umfassende Restaurierung vorgenommen. Durch eine Oberflächenreinigung, durch Retuschierung der gekitteten Anbruchstellen, durch Abtragen von bis zu sechs Farbschichten, die den Gesichtern die Ausdruckskraft und die Lebendigkeit genommen hatten, durch die Freilegung aller Inkanatsbereiche sowie durch die weitgehende Angleichung der farblichen Gestaltung an die ursprüngliche Fassung steht der Hochaltar auf einem neuen eichenen Unterbau wie eine strahlende Monstranz im Blickfeld des Gotteshausbesuchers.

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