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Nov 29 2020

Information Stand Umbau St. Josef in eine Kolumbariumskirche

Belm. In der Weihnachtsausgabe 2019 unseres Pfarranzeigers wurde zuletzt über die Pläne berichtet, Teile der Josefkirche in ein Kolumbarium zu überführen. Seitdem ist viel passiert, so dass es wieder Zeit ist, über den Fortschritt zu berichten. Der Kolumbariumsausschuss fasst hier die Beweggründe, die Überlegungen und den aktuellen Stand der Planungen zusammen.

Die Sarg- oder Erdbestattung war lange die vorherrschende Praxis in der katholischen Kirche und hat das kulturelle Gefühl bestimmt. Seit 1983 ist auch Katholiken die Beisetzung in Urnen auf Friedhöfen oder in Kolumbarien offiziell erlaubt. Ausgehend von den größeren Städten, wo die Praxis der Urnenbestattung schon länger weit verbreitet ist, hat diese Beerdigungsform mittlerweile „das Land“ erreicht. Urnenfelder auf den Friedhöfen geben davon Zeugnis.

Durch die Urnenbeisetzung hat vor allem die katholische Bestattungskultur ein neues Vorzeichen bekommen. Sehr praktische Fragen wie z. B. die nach der Grabpflege haben diese Tendenz beschleunigt. Seit einigen Jahren werden zu groß gewordene Gemeindekirchen in Kolumbariumskirchen umgestaltet, z. B. die Kirchen der Gemeinde Heilige Familie am Schölerberg oder die Kirche Heilig Geist in Oesede.

Die Idee, die Josefkirche anders zu nutzen, entstand vor dem Hintergrund, dass in der Kirche seit vielen Jahren große Veränderungen stattfinden, die ein Nachdenken auch über die Kirchen in unserer Gemeinde notwendig machten. Mit der Sanierung und Neugestaltung der Pfarrkirche St. Dionysius im alten Belmer Ortskern ist eine zukunftsfähige Kirche entstanden, die als Hauptkirche neue Bedeutung bekommen hat.

Die St. Josef-Kirche musste als zweiter Kirchenstandort allein schon wegen ihrer enormen Größe – der Innenraum bietet 500 Gläubigen Platz – neu bedacht werden. Mit dem Vorschlag des Bistums zur Umgestaltung in eine Kolumbariumskirche, wurde hier der Weg bereitet, den Standort der Josefkirche langfristig zu sichern und zu erhalten. Der Architektenwettbewerb zur Umgestaltung wurde im Juni 2019 abgeschlossen. Sieger des Wettbewerbs wurde der Entwurf der Architekten Stephanie Löning und Jürgen Schwegmann des Büros B-Werk aus Spelle, dem nachfolgend der Auftrag zur weiteren Planung erteilt wurde.

Dabei stand bei allen Beteiligten zunächst die Finanzierbarkeit im Vordergrund. Im ersten Schritt wurde deshalb von den Architekten die Entwurfsplanung einschließlich Kostenberechnung durchgeführt. Sie ermittelten Realisierungskosten von rd. 1,6 Mio. € für das Gesamtvorhaben. Das war die Basis für die Finanzierungsplanung von Bistum und Kirchengemeinde. Nach mehreren Beratungsterminen stand die Finanzierung im Januar 2020. Die besprochene Terminplanung konnte aber wegen der Corona-Pandemie nicht gehalten werden. Erst im Sommer kam wieder Dynamik in den Prozess. Nach einstimmigem Beschluss des Kirchvorstandes im Juli 2020 zur Realisierung des Umbaus wurde der Bauantrag gestellt. Und die Baugenehmigung wurde dann am 01.09.2020 erteilt. Damit war ein wichtiger Meilenstein erreicht.

Eine daraufhin im November angesetzte Versammlung zur Information der Gemeinde musste leider wegen der akuellen Pandemiesituation ausfallen und soll möglichst im Januar 2021 nachgeholt werden.

Die neue Gestaltung

Die Architekten vom B-Werk ließen sich bei ihrem Entwurf von dem Leitgedanken inspirieren, der schon beim Bau der Kirche im Jahr 1965 verfolgt wurde: „Das Zelt Gottes unter den Menschen“. Umzusetzen war auch der ausdrückliche Wunsch der Kirchengemeinde, die Kirche weiter für Gottesdienste und Tauffeiern offenzuhalten.

Äußerlich wird die Kirche ihr jetziges Erscheinungsbild beibehalten. Der Grundriss des Gebäudes und die Außenwände bleiben unverändert. So entsteht ein Raum für das Leben und den Tod unter einem Dach. Im Mittelpunkt bleibt ein Feierraum für die Gemeinde.

Senkrechte, 5 m hohe Stelen sowie Dielen am Boden – beides aus Weißtanne – schaffen einen Raum im Raum. Die Holzstelen grenzen dezent und halbtransparent den Feierraum von den links und rechts angeordneten Kolumbarien ab. Licht kann in allen Bereichen durch die Stelen fallen. Das gleiche Holz findet sich auch in den Sitzbänken, dem Altar und Ambo wieder. Die weiße Altarrückwand wird mit einer großen Holztafel belegt, welche einen Kreuzausschnitt erhält. Das Kreuz wird goldfarbig hinterlegt, als Zeichen der Auferstehung.

Sechs Höfe hat das eigentliche Kolumbarium. Die Urnenwände bestehen aus eingefärbten Betonfertigteilen, die handwerklich „Stein auf Stein“ zusammengesetzt werden. Die Kirchenaußenwände erhalten einen betonfarbigen Anstrich. Der Boden wird mit einem Sichtanstrich belegt, der im Kontrast zum Holzboden des Feierraumes steht. Akzentuierte Beleuchtung sowie Sitzmöglichkeiten geben den einzelnen Kolumbarien-Höfen eine würdige und besinnliche Stimmung, die ein ungestörtes Gedenken und gelebte Trauer zulässt. Die zurückgesetzten Grabplatten der einzelnen Grabkammern ermöglichen die Ablage von Blumen und Kerzen. Insgesamt sollen 1.400 Urnenfächer gebaut werden.

Im Kirchenraum finden künftig die Trauerfeiern und Requiems – auf Wunsch auch mit Sarg – statt. Er wird aber auch weiterhin als regulärer Gottesdienstraum genutzt. Durch den Bau des Kolumbariums verringert sich die Zahl der Sitzplätze im Kirchenraum auf etwa 150. Aus dem jetzigen Marienaltar wird ein kleiner Andachtsraum mit einer Pieta, der zum Gebet vor der trauernden Muttergottes einlädt.

Unter der Orgelempore werden neue Nebenräume eingerichtet. Hier finden ein kleiner Gesprächsraum, ein Besucher-WC und ein Stauraum für Kerzen und Vasen Platz. Für letztere wird es auch Regale geben, denn es soll möglich sein, im Kolumbarium die Verstorbene mit Blumen und Lichtern zu ehren. In diesem Bereich wird auch eine neue Treppe zum Orgelboden gebaut, da die vorhandene Stahltreppe den Kolumbariumshöfen weichen muss. Die Orgel verbleibt am selben Platz.

Turm und Eingangszone erfahren eine erhebliche Aufwertung. Die Brüstungen der jetzigen Oberlichter des Verbindungsbaus werden herausgebrochen und durch eine Glasfassade ersetzt. Die vorhandenen massiven Eingangstüren bleiben an ihrem angestammten Ort.

Eine besondere Bedeutung erfährt der Turm. Hier bekommt das Ewige Aschegrab seinen Platz als Gedenk-ort. Eine Bank lädt zum Verweilen und zur Andacht ein. Nach Ablauf der Ruhezeit von 20 Jahren wird die Asche aus den Urnen hierhin endgültig überführt. Das Namensschild vom Urnengrab wird dann an den Wänden angebracht.

Der Turmraum wird zum Foyer hin geöffnet und zusammen mit diesem in das Gesamtkonzept integriert. Ein im Fußboden eingelassenes goldenes Band verknüpft den Gedenkort mit dem Kreuz im Feierraum. Es verbindet das Kreuz und den Altar über den Taufbrunnen mit dem Ewigen Grab. Es symbolisiert den Weg des Lebens von der Geburt über den Tod, hin zur Auferstehung. Das Aschegrab liegt am Eingang, der gleichzeitig Ausgang ist, am Beginn und Ende des Lebensweges, sinnbildlich für die Rückkehr zum Ursprung: Staub bist du und zum Staub kehrst Du zurück (Gen 3, 19b).

Das Ewige Grab wird als wichtiger, zentraler Ort und Andachtsraum in der künftigen Kolumbariumskirche mit dem bisher über dem Altar hängenden Triumphkreuz als Kubus besonders gestaltet. Diese Umgestaltung des Kreuzes ist Ergebnis eines intensiven Dialogs mit der Kolpingsfamilie Belm – als Stifterin des Kreuzes von 1966 – sowie der Witwe des Künstlers Rudolf Krüger.

Im kleinen Anbau wird die Sakristei verkleinert, so dass ein Platz für ein Büro entsteht. Zudem wird ein zweiter größerer Besprechungsraum entstehen.

Der Zeitplan

Das Architekturbüro B-Werk arbeitet in enger Abstimmung mit dem Kolumbariumsausschuss der Kirchengemeinde zurzeit an der Ausführungsplanung. Bald werden die Ausschreibungen veröffentlicht.

Da wegen der Corona-Gefährdung die Feier des letzten Osterfestes ausgefallen ist, wünschten sich die Gremien der Gemeinde noch einmal Ostern in der „alten“ Josefkirche zu feiern. Am 2. Sonntag der Osterzeit, 11.04.2020, soll es dann einen Verabschiedungsgottesdienst geben. Danach wird die Kirche ausgeräumt. Somit können im Mai 2021 die Umbaumaßnahmen beginnen.

Wenn alles wie geplant läuft, kann das Kolumbarium im März 2022 eröffnet werden und die ersten Urnen werden ihren Ruheplatz finden.

Wir werden Sie auch in Zukunft weiter informieren. Bisherige Veröffentlichungen finden Sie HIER. Fragen können Sie uns HIER zukommen lassen.

 

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